Tagebuch aus Slowenien
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| Es gibt Menschen, die legen es scheinbar partout darauf
an, sich im Ausland einen schlechten Ruf zu erarbeiten und ihr Land in einer
Art und Weise zu repräsentieren, die jegliches Klischee als harmlose
Untertreibung dastehen lässt. Hier ist ausnahmsweise nicht die Rede
von Socken und Sandale tragenden Deutschen mit Hawaiihemd, Bierbauch, Schlapphut
und Drang nach heimischer Küche. Mindestens genauso schlimm sind die
Vorurteile über reisende Engländer. Und die drei, die bei uns
im Hotel nächtigen, geben sich mächtig Mühe, diesen gerecht
zu werden. Jede Nacht laufen sie sturztrunken im Hotel ein und machen sich
derart brüllend auf die Suche nach ihrem Zimmer und die richtige Handhabung
des Schlüssels, dass sie wohl jeden nur halbwegs hörfähigen
Gast wecken. Gestern früh um sechs, heute um vier. Thank you guys! |
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| Leicht müde machen Isabelle und ich uns auf, die
Stadt mit Hilfe eines Führers der Stadtinformation zu erkunden. Und
wenn ich bei Peter vom Tausendsassa gesprochen habe, so gilt dies mindestens
in gleichem Maße für unseren Guide, dessen Namen ich leider nicht
mehr parat habe. Dieser Mann ist so was von extrovertiert und die Personifizierung
eines wandelnden Lexikons, dass es eine helle Freude ist, mit ihm durch
die Straßen zu ziehen. Er stattet uns mit einer Fülle aufschlussreicher
Informationen aus, plaudert über sein (äußerst spannendes
und abwechslungsreiches) Leben, präsentiert uns einen geschichtlichen
Abriss der letzten 600 Jahre, stellt uns sämtliche architektonischen
Besonderheiten der Stadt vor und lästert über die moderne Konsumwelt.
Wer diesen Menschen als Freund hat verbringt sicherlich Unmengen von spannenden,
bildenden und unterhaltsamen Abenden mit ihm. Wir haben nur gut zwei Stunden,
aber die reichen für eine Detailflut, die ich mir unmöglich merken
kann. Eines ist mir aber im Gedächtnis geblieben: Wie beeindruckend
diese kleine Nation sich durch die Geschichte hindurch entwickelt und behauptet
hat. Egal ob unter den Habsburgern und Napoleon, im ehemaligen Jugoslawien
oder nach der Unabhängigkeit 1991. Dieses nur zwei Millionen Einwohner
große Land war immer vorne dabei, und ich hoffe sehr, dass dies in
Europa nicht anders wird. |
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Metelkova Mesto
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Nach der hochinformativen
aber anstrengenden Tour laufen Isabelle und ich zur Metelkova Mesto.
Vor ein paar Jahren wurde das Gelände von Punks besetzt, jetzt
ist in dem Komplex ein Kulturzentrum mit mehreren Clubs, Galerien,
Pubs und Bühnen. Von außen sieht es noch immer reichlich
improvisiert aus, in Deutschland würden wohl verschiedene Institutionen
von Bauaufsicht über Feuerwehr bis hin zum Gewerbeamt einem solchen
Ensemble den Garaus machen. Die Gebäude sehen zum Teil so aus,
als würden sie gleich einstürzen, überall stehen Stahlskulpturen
in der Gegend herum, die Fassaden sind partiell herausgebrochen, überquellende
Mülleimer und alte Autoteile stehen in der Mitte des Platzes.
Für viele mit Sicherheit eine inspirierende Atmosphäre,
die viel Kreativität schafft. Im Augenblick sieht es mir allerdings
eher nach einem heruntergekommenen Schrottplatz aus. Wenn hier abends
Action ist, dürfte sich das jedoch ändern. |
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Neben diesem interessanten Ensemble steht eine der wohl
originellsten Jugendherbergen Europas: In einem ehemaligen Gefängnis
befindet sich das mit viel Aufwand renovierte LUHostel. Knallbunte Fassaden,
helles Interieur, freundliche und junge Mitarbeiter - und der Clou: die
Zimmer sind in den ehemaligen Zellen untergebracht. Nicht dass ihr aber
denkt, sie seien in der üblichen Herbergskargheit mit einfachen Hochbetten
ausgestattet! Jeder Raum ist von mehreren Architekten gestaltet worden und
somit einmalig. Sie alle zu beschreiben würde den Rahmen sprengen.
Es lohnt sich auf jeden Fall vorbeizuschauen, und am besten auch dort zu
übernachten.
Die Jugendherberge bildet den Abschluss meines Trips nach Slowenien. Ich
hätte ja noch gerne mehr von dem Land gesehen, aber das ging mir bei
jeder Stadt so. Ist leider aus vielen Gründen nicht möglich. Insofern
bleibt es auch hier bei einem ersten Eindruck, der mit Sicherheit nicht
das ganze Land und seine Einwohner abdeckt, aber Lust auf mehr gemacht hat.
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