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Tagebuch aus Slowenien


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Übersichtsseite Slowenien

Hier kannst du dir das Portrait von Peter Poles (Fernsehmoderator) anhören ...[anhören, MP3-File, 1 MB]

Mit 20 in Slowenien ... [anhören, MP3-File, 1 MB]

 
Es gibt Menschen, die legen es scheinbar partout darauf an, sich im Ausland einen schlechten Ruf zu erarbeiten und ihr Land in einer Art und Weise zu repräsentieren, die jegliches Klischee als harmlose Untertreibung dastehen lässt. Hier ist ausnahmsweise nicht die Rede von Socken und Sandale tragenden Deutschen mit Hawaiihemd, Bierbauch, Schlapphut und Drang nach heimischer Küche. Mindestens genauso schlimm sind die Vorurteile über reisende Engländer. Und die drei, die bei uns im Hotel nächtigen, geben sich mächtig Mühe, diesen gerecht zu werden. Jede Nacht laufen sie sturztrunken im Hotel ein und machen sich derart brüllend auf die Suche nach ihrem Zimmer und die richtige Handhabung des Schlüssels, dass sie wohl jeden nur halbwegs hörfähigen Gast wecken. Gestern früh um sechs, heute um vier. Thank you guys!
 
 
Leicht müde machen Isabelle und ich uns auf, die Stadt mit Hilfe eines Führers der Stadtinformation zu erkunden. Und wenn ich bei Peter vom Tausendsassa gesprochen habe, so gilt dies mindestens in gleichem Maße für unseren Guide, dessen Namen ich leider nicht mehr parat habe. Dieser Mann ist so was von extrovertiert und die Personifizierung eines wandelnden Lexikons, dass es eine helle Freude ist, mit ihm durch die Straßen zu ziehen. Er stattet uns mit einer Fülle aufschlussreicher Informationen aus, plaudert über sein (äußerst spannendes und abwechslungsreiches) Leben, präsentiert uns einen geschichtlichen Abriss der letzten 600 Jahre, stellt uns sämtliche architektonischen Besonderheiten der Stadt vor und lästert über die moderne Konsumwelt. Wer diesen Menschen als Freund hat verbringt sicherlich Unmengen von spannenden, bildenden und unterhaltsamen Abenden mit ihm. Wir haben nur gut zwei Stunden, aber die reichen für eine Detailflut, die ich mir unmöglich merken kann. Eines ist mir aber im Gedächtnis geblieben: Wie beeindruckend diese kleine Nation sich durch die Geschichte hindurch entwickelt und behauptet hat. Egal ob unter den Habsburgern und Napoleon, im ehemaligen Jugoslawien oder nach der Unabhängigkeit 1991. Dieses nur zwei Millionen Einwohner große Land war immer vorne dabei, und ich hoffe sehr, dass dies in Europa nicht anders wird.
   


Metelkova Mesto

Nach der hochinformativen aber anstrengenden Tour laufen Isabelle und ich zur Metelkova Mesto. Vor ein paar Jahren wurde das Gelände von Punks besetzt, jetzt ist in dem Komplex ein Kulturzentrum mit mehreren Clubs, Galerien, Pubs und Bühnen. Von außen sieht es noch immer reichlich improvisiert aus, in Deutschland würden wohl verschiedene Institutionen von Bauaufsicht über Feuerwehr bis hin zum Gewerbeamt einem solchen Ensemble den Garaus machen. Die Gebäude sehen zum Teil so aus, als würden sie gleich einstürzen, überall stehen Stahlskulpturen in der Gegend herum, die Fassaden sind partiell herausgebrochen, überquellende Mülleimer und alte Autoteile stehen in der Mitte des Platzes. Für viele mit Sicherheit eine inspirierende Atmosphäre, die viel Kreativität schafft. Im Augenblick sieht es mir allerdings eher nach einem heruntergekommenen Schrottplatz aus. Wenn hier abends Action ist, dürfte sich das jedoch ändern.
   
Neben diesem interessanten Ensemble steht eine der wohl originellsten Jugendherbergen Europas: In einem ehemaligen Gefängnis befindet sich das mit viel Aufwand renovierte LUHostel. Knallbunte Fassaden, helles Interieur, freundliche und junge Mitarbeiter - und der Clou: die Zimmer sind in den ehemaligen Zellen untergebracht. Nicht dass ihr aber denkt, sie seien in der üblichen Herbergskargheit mit einfachen Hochbetten ausgestattet! Jeder Raum ist von mehreren Architekten gestaltet worden und somit einmalig. Sie alle zu beschreiben würde den Rahmen sprengen. Es lohnt sich auf jeden Fall vorbeizuschauen, und am besten auch dort zu übernachten.
Die Jugendherberge bildet den Abschluss meines Trips nach Slowenien. Ich hätte ja noch gerne mehr von dem Land gesehen, aber das ging mir bei jeder Stadt so. Ist leider aus vielen Gründen nicht möglich. Insofern bleibt es auch hier bei einem ersten Eindruck, der mit Sicherheit nicht das ganze Land und seine Einwohner abdeckt, aber Lust auf mehr gemacht hat.
 

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