Tagebuch aus Polen
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IIm Zentrum gibt es unglaublich
viele Geschäfte, viele von ihnen sind allerdings nicht so richtig
gut besucht (bei H&M muss man nicht mal vor den Umkleidekabinen
anstehen). Kein Wunder, kann sich doch ein großer Teil der Polen
nicht leisten, dort einzukaufen. Billiger ist es bei den vielen Straßenständen
oder auf Osteuropas größtem Bazar im 10-Jahres-Stadion.
Die riesige Arena steht auf der anderen Seite der Weichsel. Sport
gibt es hier schon lange nicht mehr zu sehen. Stattdessen stehen hunderte
von Verkaufstischen auf dem oberen Umlauf. Viele Händler haben
nicht einmal einen Tisch, sondern verkaufen ihre Waren direkt aus
der Tüte. Hier gibt es so ziemlich alles, was man sich vorstellen
kann: Haustiere, Möbel, Blumen, Kleider, Schuhe, Elektrogeräte,
Mobiltelefone, Parfüms, Drogerieartikel, Küchenutensilien,
alte Armeegeräte, Bücher, Imbisse und viel Schwarzgebranntes
– von Musik-CDs, über DVDs bis hin zum Vodka. Und wenn
wir schon mal dabei sind: jede Menge geschmuggelter Alkohol und natürlich
Zigaretten. Wenn die Polizei hier mal richtig aufräumen würde,
kämen einige Jahre Knast zusammen, und die CD-zerstörenden
Straßenwalzen hätten ordentlich zu tun. Doch von der Staatsmacht
ist weit und breit nichts zu sehen. |
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| Zurück auf die andere
Seite, zur Universität. Ein schöner Campus, bei dem nur
die vielen Security-Leute etwas seltsam anmuten, die über das
Gelände patrouillieren. Worauf passen die auf? Ich treffe viele
Studenten und unterhalte mich mit ihnen über ihr Leben in Polen,
ihre Zukunft, ihre Hoffnungen und Ängste bezüglich der EU.
Alle sind nett und offen. Die meisten freuen sich auf die neuen Reismöglichkeiten
und die Chance, im Ausland einen Teil ihrer Ausbildung machen zu können.
Die Hauptsorge ist die eigene Wirtschaft: Viele junge Menschen fürchten,
dass sie für den Konkurrenzdruck in Europa nicht stark genug
ist. |
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Magda
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Am Abend treffe ich Magda. Sie zeigt
mir die Ecken Warschaus, wo sich am Wochenende die Jugend austobt.
Dabei gibt sie sich wie eine perfekte Botschafterin Polens: Sie schwärmt
von der tollen Kultur, den offenen Menschen, der jungen Demokratie.
Vor einigen Jahren noch war die Situation in Polen im Kommunismus
so schlimm für ihre Familie, dass sie nach England ausgewandert
ist. |
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| Die Eltern wohnen immer
noch da, aber Magda wollte unbedingt zurück. Sie möchte
an einem neuen Polen mitarbeiten. Dazu gehört für sie auch,
negative Dinge wie Korruption abzuschaffen, die vielfach die Politik
beeinflusst. Vor allem aber hat sie einen Traum: „Ich wünsche
mir wirklich sehr, dass viele Leute aus der Europäischen Union
Lust haben, hierher zu kommen und zu sehen, was Polen zu bieten hat.“
Und das – so viel ist nach einem Wochenende in Warschau klar
– ist nicht nur grau. |
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