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Tagebuch aus Polen


Freitag, 30.01.2004 >>
Samstag 31.01.2004 >>


Was kostet was in Polen?

Übersichtsseite Polen

Hier kannst du dir das Portrait von Magdalena, die in Polen studiert, anhören [MP3-File, 1 MB]

Mit 20 in Polen ... [anhören, MP3-File, 1 MB]

   
   



IIm Zentrum gibt es unglaublich viele Geschäfte, viele von ihnen sind allerdings nicht so richtig gut besucht (bei H&M muss man nicht mal vor den Umkleidekabinen anstehen). Kein Wunder, kann sich doch ein großer Teil der Polen nicht leisten, dort einzukaufen. Billiger ist es bei den vielen Straßenständen oder auf Osteuropas größtem Bazar im 10-Jahres-Stadion. Die riesige Arena steht auf der anderen Seite der Weichsel. Sport gibt es hier schon lange nicht mehr zu sehen. Stattdessen stehen hunderte von Verkaufstischen auf dem oberen Umlauf. Viele Händler haben nicht einmal einen Tisch, sondern verkaufen ihre Waren direkt aus der Tüte. Hier gibt es so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann: Haustiere, Möbel, Blumen, Kleider, Schuhe, Elektrogeräte, Mobiltelefone, Parfüms, Drogerieartikel, Küchenutensilien, alte Armeegeräte, Bücher, Imbisse und viel Schwarzgebranntes – von Musik-CDs, über DVDs bis hin zum Vodka. Und wenn wir schon mal dabei sind: jede Menge geschmuggelter Alkohol und natürlich Zigaretten. Wenn die Polizei hier mal richtig aufräumen würde, kämen einige Jahre Knast zusammen, und die CD-zerstörenden Straßenwalzen hätten ordentlich zu tun. Doch von der Staatsmacht ist weit und breit nichts zu sehen.
   
Zurück auf die andere Seite, zur Universität. Ein schöner Campus, bei dem nur die vielen Security-Leute etwas seltsam anmuten, die über das Gelände patrouillieren. Worauf passen die auf? Ich treffe viele Studenten und unterhalte mich mit ihnen über ihr Leben in Polen, ihre Zukunft, ihre Hoffnungen und Ängste bezüglich der EU. Alle sind nett und offen. Die meisten freuen sich auf die neuen Reismöglichkeiten und die Chance, im Ausland einen Teil ihrer Ausbildung machen zu können. Die Hauptsorge ist die eigene Wirtschaft: Viele junge Menschen fürchten, dass sie für den Konkurrenzdruck in Europa nicht stark genug ist.
 


Magda

Am Abend treffe ich Magda. Sie zeigt mir die Ecken Warschaus, wo sich am Wochenende die Jugend austobt. Dabei gibt sie sich wie eine perfekte Botschafterin Polens: Sie schwärmt von der tollen Kultur, den offenen Menschen, der jungen Demokratie. Vor einigen Jahren noch war die Situation in Polen im Kommunismus so schlimm für ihre Familie, dass sie nach England ausgewandert ist.
 
Die Eltern wohnen immer noch da, aber Magda wollte unbedingt zurück. Sie möchte an einem neuen Polen mitarbeiten. Dazu gehört für sie auch, negative Dinge wie Korruption abzuschaffen, die vielfach die Politik beeinflusst. Vor allem aber hat sie einen Traum: „Ich wünsche mir wirklich sehr, dass viele Leute aus der Europäischen Union Lust haben, hierher zu kommen und zu sehen, was Polen zu bieten hat.“ Und das – so viel ist nach einem Wochenende in Warschau klar – ist nicht nur grau.

 

 

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