Tagebuch aus Estland
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| Zwei Dinge verdienen es noch, im Zusammenhang mit Estland
erwähnt zu werden: schöne Frauen und die russische Minderheit.
Auf beide Themen werde ich durch die Jugendlichen gebracht, die ich heute
interviewe. Besonders ersteres ist mir in Tallinn durchaus aufgefallen.
Insofern verwundert es nicht, dass gleich zwei Jungs und ein Mädchen
heute auf die attraktiven Frauen hinweisen, als ich sie frage, was sie an
Estland gut finden. Doch, ja, bin einverstanden. |
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| Das Thema russische Minderheit fällt einem nicht
so direkt ins Auge. Das dürfte anders sein wenn man in die riesige
Plattenbausiedlung am Stadtrand geht, der russischen Sprache mächtig
ist und Russen nach ihren Lebensumständen fragt. Viele würden
einem wohl sagen, dass ihr Lebensstandard deutlich unter dem Durchschnitt
liegt und sie sich diskriminiert fühlen. In der estnischen Verfassung
gibt es zwar einen Minderheitenschutz, doch in der Realität sieht es
oft anders aus. Einer meiner Gesprächspartner sagt mir, die Situation
der Russen in Estland sei vergleichbar mit der der Schwarzen in den USA.
Das Wort Minderheit ist zwar richtig, führt aber vielleicht ein wenig
in die Irre. Es handelt sich nämlich keineswegs um ein paar hundert
Russen. Vielmehr machen sie fast 30 Prozent der gesamten Bevölkerung
aus. Unter dem Sowjetregime wurden sie hier angesiedelt, viele sprechen
noch nicht einmal estnisch. Und weil Russisch keine offizielle Sprache mehr
ist, fühlen sie sich an den Rand gedrängt. Dieses Problem sorgt
auch für ein nicht ganz spannungsfreies Verhältnis zwischen Estland
und Russland. Die Regierung in Moskau übt immer wieder Druck auf Tallinn
aus, die russischen Bürger besser zu behandeln. Die wiederum gibt zurück,
dass die Russen gesetzlich (bis auf einige Ausnahmen z.B. beim Wahlrecht)
den Esten gleichgestellt sind und sich besser integrieren sollten. |
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Stadtmauer
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Ein erfolgreicher Vormittag
mit einigen interessanten Gesprächen. Und gleichzeitig die letzten
Momente in Tallinn, am Nachmittag geht es weiter nach Lettland. Im
Supermarkt decke ich mich mit Essen ein (das ist wirklich genial:
in größeren Supermärkten gibt es Heißtheken
mit riesiger Auswahl an Fleisch, Fisch, Salat, Nudeln, Kartoffeln
und Pizza zum Mitnehmen zu einem günstigen Preis), kaufe meiner
Freundin in der traumhaften Katharinen-Gilde ein Mitbringsel, fluche
auf dem Weg zum Bus ein letztes Mal über das miese Wetter und
die schmuddeligen Bürgersteige, und schon ist der Aufenthalt
in Estland Geschichte. . |
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